Bunte Blätter auf dem Blatt

Das Los des Lehrers kennt doch keine Winterzeit
Im Sommer noch vom ersten Sonnenstrahl geweckt
Erwacht das Lehreraug‘ in leichter Müdigkeit
Oktobermorgens nur von elektrisch Licht geneckt.
 
Im Wintermantel tritt er auf frierendem Asphalt
belächelt von den Autofahrern auf der Straße
alsbald durchstapft der Lehrer auch den Wald
genießt den Weg in weitaus größ’rem Maße.
 
Und wie er da das Laub zur Seite streut
und die Natur beschaut, respektvoll, mit Genuss
beschließt er überzeugt, dass heut
er einen Waldspaziergang unterrichten muss.
 
Die Skepsis seiner Schüler währt nicht lang
entfliehen sie doch somit tristen Wänden.
So folgen sie an frischer Luft des Lehrers Gang
und lassen sich vom Sonnenlichte blenden.
 
Die bunten Blätter, die sie sammeln sollen
sie liegen noch verstreut am Wegesrand
von nirgends hört der Lehrer Grollen
die Schüler sammeln Laub auf, ganz gespannt.
 
Sie kleben buntes Leben auf totes Blatt Papier
und nach dem Präsentieren schöpft der Lehrer die Moral:
„Ihr seid lebendges Leben, wie dieses klebt auch hier.
doch steht auch auf dem Alten, ein ums andre Mal.
 
So lest, was schwarz auf weißem Grund
geschrieben steht – ihr könnt es nicht entbehren.
Und hört drauf, was aus altem Mund
die Bücher und der Mensch euch lehren.“
 

 

 

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© Kay Nagel - Dozent & Lektor