Ein Gottesbild

In dem recht bekannten Interview von Sandra Maischberger, das sie mit Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker 2015 führte, fragt sie Helmut Schmidt nach seinem Gottesbegriff und ob er glaube.
Er glaube an Gott, aber er vertraue ihm nicht mehr.
Gott hätte viel zu viel zugelassen. Er hätte zugelassen, dass es den 1. Weltkrieg und den 2. Weltkrieg gegeben habe und er hat noch mehr Kriege zu verantworten.
 
Wie kann das sein? Wie kann Gott, oder seine Reinkarnation in seinem Sohn Jesus Christus, dafür verantwortlich sein, dass das 20. Jahrhundert als ein derart brutales in die Geschichte eingehen wird?
Diese Frage wurde im Interview nicht beantwortet; sie konnte die Gelegenheit dazu auch nicht erhalten, wenn das ist eine Frage, die ich mir stellte, nachdem ich Schmidts Aussage überdacht hatte.
 
Und die Frage lässt sich insbesondere mit einer Herangehensweise an ein ganz spezielles Gottesbild erklären, das mir einleuchtend und begreifbar erscheint. Es ist aber von der Lehre des Protestantismus ein paar Gedanken weit entfernt.
 
Gott ist tot! - Hat Nietzsche einst gedacht und geschrieben. 
Gott ist tot! Rein biographisch mag das stimmen. Auch, wenn man annimmt, das Gott vor allen Menschen tatsächlich da gewesen ist und seine Reinkarnation in seinem Sohn Jesus Christus, einem jüdischen vagabundierenden und Jünger anziehenden Lehrer erkannt, zumindest beschrieben wurde. Er starb um das Jahr 30 unserer Zeitrechnung am Kreuze. Seine Nachfolger gab und gibt es bis heute, aber sie sind mit ihm selbstredend nicht blutsverwandt. Selbst wenn das fabulös und auf wenigen historischen Tatsachen gründende Angebot Dan Browns ernst genommen werden würden, in welchem er die Prieure de Sions als die leiblichen Nachfahren Marias - und damit auch Jesu' - im Roman anerkennt. Jesu' Christi Leben ist vorüber.
 
Wie also lebt Gott weiter, wenn wir ihn im Gottesdienst nicht nur erinnern, sondern wenn er heute auch noch über unser Leben bestimmt.
 
Gott ist nicht tot. Gott lebt weiter, als Idee in jedem von uns, der sich zu ihm bekennt - in welcher Konfession auch immer.
Wenn wir Gott nicht als einen weißen Rauschebart tragenden alten Herrn begreifen, der im Himmel über uns wacht, können wir ihn zulassen als Idee, seine Gesetzes- und Geschichtensammlung als Gleichnis, als Verhaltenskodex, der menschenfreundliche Regeln des Zusammenlebens aufstellt. 
 
Diejenigen, die nicht nach Gottes Geboten gehandelt haben, haben den Verhaltenskodex also nicht beachtet, haben die menschenfreundlichen Regeln des zusammen Lebens nicht geachtet. Sie haben aus niederen Motiven gemordet. Hätten sie den christlichen Glauben im Herzen gehabt und im Handeln auf ihr Herz gehört, hätten sie mörderische Akte nicht zugelassen. Dietrich Bonhoeffer beispielsweise hat das getan. Und er bezahlte in einem Terrorregime dafür mit seinem Leben.
 
Mord in der Bibel? - Ja, es gibt ihn. Gegen die Ungläubigen! - Als negatives Beispiel. 

 

 

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© Kay Nagel - Dozent & Lektor